Die Geschichte von Schloss Nyborg

Schloss Nyborg ist von großer Bedeutung für die dänische Geschichte. Hier haben wir die Geschichte des Schlosses in aller Kürze zusammengefasst.

Die Entstehung des Schlosses

Schloss Nyborg wird 1193 erstmals in schriftlichen Quellen erwähnt. Dank neuer archäologischer Ergebnisse wissen wir heute, dass es mit der Wallanlage 1209/10 fertiggestellt wurde. Daher schätzt man, dass das Schloss um das Jahr 1200 als Ringburg erbaut wurde. Der Kern des erhaltenen Palastgebäudes stammt aus dem beginnenden 13. Jahrhundert, der große Wachturm, der einen früheren Turm an der nordöstlichen Ecke der Burg ersetzte, vermutlich aus der Zeit um 1300.

Die erste Verfassung und der letzte Königsmord

Nyborg lag praktischerweise in der Mitte des Landes und am Wasser, und im 13. Jahrhundert begann König Erik Klipping, die Burg als Stätte für Versammlungen mit den mächtigsten Männern des Reiches zu nutzen. Und so wurde die erste Verfassung Dänemarks 1282 von Erik Klipping auf Schloss Nyborg unterschrieben. Nach der späteren Ermordung Erik Klippings wurde über die mutmaßlichen Mörder 1287 auf Schloss Nyborg die Ächtung für den letzten Königsmord in Dänemark verhängt.

Das Christiansborg des Mittelalters

Nach Erik Klippings Tod blieb Schloss Nyborg weiterhin fester Versammlungsort für das, was später „Danehof“ heißen sollte. Der Name Danehof wurde anscheinend Mitte des 14. Jahrhunderts eingeführt. Bis dahin hatte man die Versammlungen des Königs mit den „besten“ Männern des Reiches Reichsversammlungen oder Hof genannt. Hier wurden Fragen bezüglich Gerichtsverhandlungen, Außenpolitik und Streitigkeiten über die Rechte der Krone entschieden. Im Laufe des 14. Jahrhunderts fand der Danehof weiterhin auf Schloss Nyborg statt. Und so geschah es auch auf Schloss Nyborg, dass 139 Bischöfe, Reichsbeamte, Reichsräte, Ritter und Schildknappen im Jahre 1377 Oluf, dem Sohn von Königin Margrete I., ihre volle persönliche Unterstützung zusagten. Damit war das Fundament für die Kalmarer Union gelegt. Der letzte Danehof in Nyborg fand 1413 statt.

Königsschloss in der Residenzstadt

1525 wurde Nyborg zur ersten Residenzstadt des Landes gemacht, was den Anlass für große Umbauten auf Schloss Nyborg gab. Im Westflügel setzte man große Rundbogenfenster ein, und mehrere Räume erhielten geometrische Muster an den Wänden und eine besondere Deckenkonstruktion. In den 1550er Jahren ließ König Christian III. weitere Umbauten und Modernisierungen folgen. Das Schloss wurde erweitert und verstärkt, um den neuen Reichweiten und Durchschlagskräften der zeitgenössischen Artillerie gerecht zu werden. Die bis zu ca. 1,25 m dicken Außenmauern der mittelalterlichen Burg wurden nun auf 3 m verstärkt! 

Rund um die Stadt und das Schloss errichtete man zudem eine Wallanlage, die in den folgenden Jahrhunderten noch weiter ausgebaut wurde.

Die Zeit nach den Königen

Während der Kriege gegen Schweden in den 1650er Jahren wurde Schloss Nyborg von den Schweden erobert. Wie der Rest der Stadt und des Landes wurde auch das Schloss von den Besatzern verwüstet. Alles, was von Wert war, hatten sie als Kriegsbeute mit nach Schweden genommen, und sämtliches Inventar war in den Kaminen verfeuert worden. Es heißt, dass überhaupt kein Inventar übriggeblieben war, was tatsächlich stimmen kann, da heute keinerlei Interieur mehr bekannt ist, das ursprünglich im Schloss Nyborg gestanden hatte.

Nach dem Krieg hatte der König kein Interesse mehr an einem Aufenthalt in dem verwüsteten Schloss, was dazu führte, das es dem Militär übertragen wurde, das bis 1913, als die Garnison aus Nyborg abzog, darüber verfügte.

Das Schloss während der Garnisonszeit

Das Schloss diente nun u. a. als Zeughaus und als Getreidespeicher. Einige Trennwände verschwanden und im Keller machte man große Öffnungen in die Außenmauern und Trennwände, um mit Wagen und Kanonen umherfahren zu können. In dieser Zeit wurden große Teile des Schlosses abgerissen. In den 1670er Jahren riss man den stark mitgenommenen südwestlichen Eckturm ab und im 18. Jahrhundert das Meiste der Flügel im Süden, Osten und Norden. Der Wachturm wurde zu einer niedrigen, leeren Hülle und als Pulvermagazin eingerichtet, und der letzte Rest des Nordflügels verschwand 1873. Stranges Turm wurde 1789 abgerissen, und 1868 entfernte man den Wächtergang im Königsflügel, um die Dachkonstruktion vereinfachen zu können. Die Baumaterialien wurden für Arbeiten an der Festung und zur Restaurierung des Schlosses Odense wiederverwendet. Mitte des 19. Jahrhunderts errichtete man zwei neue Gebäude auf der Schlossinsel, die als Werkstätten für die Garnison dienten.

Schloss Nyborg wird Kulturerbe

Als die Garnison Nyborg im Jahre 1913 verließ, blieb ein altes, verfallenes Schloss zurück. 1916-17 wurde das Schloss dem dänischen Nationalmuseum übertragen, das den Architekten Mogens Clemmensen mit der Untersuchung und späteren Restaurierung beauftragte.

Mogens Clemmensen war ein hervorragender Restaurierungsarchitekt, der das Schloss sorgfältig begutachtete, bevor er die eigentliche Restaurierung in Angriff nahm. Seine Methode bestand darin, bauarchäologische Spuren zu finden, die anschließend rekonstruiert werden konnten. Die Restaurierung von Schloss Nyborg wurde ins Haushaltsgesetz aufgenommen, doch bereits 1922, vor Abschluss der Restaurierung, war das budgetierte Geld aufgebraucht. So wurde u. a. der Treppenturm, der den Zugang zum Schloss sicherstellen sollte, nie errichtet.

Nach der nicht ganz abgeschlossenen Restaurierung öffnete das Schloss für Besucher.

Die gesamte Festung Nyborg einschließlich der Schlossinsel mit den Gebäuden, dem Schlosssee und der Wallanlage wurde 1918 unter Denkmalschutz gestellt.

Das Schlossprojekt – neues Wissen, Erhaltung und Restaurierung

Heute, etwa 100 Jahre später, erlebt Schloss Nyborg erneut eine dringend benötigte Restaurierung, die das Kulturerbe für die Nachwelt sichern und gleichzeitig die Vermittlung der Geschichte allen zugänglich machen soll. Im Zuge dieses Projekts wurden von 2009 bis 2018 archäologische Untersuchungen auf der Burginsel durchgeführt, die neue Erkenntnisse über die Geschichte und Entwicklung der Burg gebracht haben.

Das Schlossprojekt wird vom Eigentümer des Gebäudes, der Schlösser- und Kulturbehörde, in enger Absprache mit den beiden Stiftungen A. P. Møller Fonden und Realdania, der Nyborg Kommune sowie Østfyns Museer durchgeführt.

Ziel ist es, einen engen Dialog zwischen Alt und Neu zu schaffen mit dem Alten als vorherrschendem Prinzip. Schwerpunkte sind:

  • Der Königsflügel, der behutsam restauriert wird.
  • Die Ringmauer, die als Rückgrat des neuen Nordflügels in einer freier interpretierten Form in Richtung Ost und Süd wiederentsteht, so dass die ursprüngliche Ringburg wieder deutlich erkennbar sein wird.
  • Der Neubau konzentriert sich auf den Platz des Nordflügels unter Beibehaltung der ursprünglichen Hauptstruktur mit West- und Nordflügel als den zentralen Baufeldern.
  • Der Wachturm wird erhöht, so dass er als Aussichtsposten hin zum Großen Belt wiederersteht und damit das strategische Grundkonzept der Burg vermittelt.
  • Der ursprüngliche Zugangsweg zum Burghof wird an der Südseite des Wachturms reetabliert und mit Bezug auf die mittelalterlichen Zwingeranlage gestaltet. Die Zugangsbrücke über den Wallgraben wird hierher zurückverlegt. Damit wird auch die ursprüngliche Verbindung zwischen Burg und Stadt wiederhergestellt, bei der Wachturm und Zugangsweg direkt mit dem Turnierplatz verbunden waren.
  • Die Verbindung zwischen Schloss und Stadt wird durch eine Neugestaltung des Turnierplatzes von Christian III., des heutigen Marktplatzes der Stadt, gestärkt, so dass sie wieder deutlicher erkennbar wird.

 

Nach einem internationalen Architekturwettbewerb haben CUBO Arkitekter und JAJA Architects den neuen Anbau und die Erhöhung des Wachturms entworfen.

Federführend für die Restaurierung des Königsflügels und des Wachturms ist das Büro VMB Arkitekter. Die neuen Ausstellungen werden in enger Zusammenarbeit mit dem Moesgaard Museum entwickelt. Die Wiedereröffnung des Schlosses erfolgt voraussichtlich 2023.